Preprint / Version 1

Revidierte Anweisungen für die liturgische Lesung der Passionserzählungen in der Heiligen Woche vom Juli 1988 (Auszug)

##article.authors##

  • Kanadische Bischofskonferenz

##preprint.subject##:

Judentum, Katholische Kirche, Passion Jesu, Exegese, Nostra Aetate

Zusammenfassung

Die kirchliche Liturgie der Fastenzeit und Heiligen Woche steht unter einer geschichtlichen Last. Über viele Jahrhunderte waren die Tage der Heiligen Woche für die örtlichen jüdischen Gemeinden in einer mehrheitlich christlichen Welt oft eine Zeit der Angst und Sorge. Die gottesdienstlichen Lesungen der Passionserzählungen zum Leiden und Sterben Jesu von Nazaret haben Christen in einer fehlgeleiteten Frömmigkeit zu Übergriffen gegenüber der jüdischen Minderheit verleitet. Die Gefahr judenfeindlicher Empfindungen ist auch heute nicht ausgeschlossen, wenn die kirchlichen Gemeinden Jahr um Jahr zusammenkommen, um die österliche Bußzeit und die Heilige Woche zu feiern. Diese Gefährdung wird den pastoral Verantwortlichen zunehmend bewußt, wie auch die beiden nachfolgenden Dokumente aus den USA und Österreich belegen. Eingedenk dieser Gefahr und angesichts der Notwendigkeit, sie zu überwinden, ging die kanadische Bischofskonferenz bei der Revision des Lektionars vom Juli 1988 auch auf die Passionserzählungen in den Evangelien für die Heilige Woche ein. Ihrer entsprechenden liturgischen Rubrik stellte sie einen besonderen Abschnitt zu den Passagen voran, die sich auf das jüdische Volk beziehen. Dieser Abschnitt sei in der redaktionellen Einführung in seinen Grundzügen wiedergegeben: Die Passionserzählungen sind wie auch der Rest der Evangelien durch den Riß, der sich im ersten Jahrhundert zwischen dem Christentum und dem Judentum vollzog, und durch die sich entwickelnde Polemik beeinflußt worden. In unserer Zeit habe die Kirche die engen Bande wieder entdeckt, welche sie mit dem jüdischen Volk verbinden; sie wurde auch der christlichen Verantwortung für die tragischen Jahrhunderte des Antisemitismus gewahr. Sie habe deshalb angewiesen, daß man „was die liturgischen Texte angeht, darum besorgt ist … eine gerechte Auslegung zu geben, besonders da, wo es sich um Abschnitte handelt, die scheinbar das jüdische Volk als solches ins schlechte Licht setzen … Die mit der Übersetzung beauftragten Kommissionen sollen ihre besondere Aufmerksamkeit darauf richten, auf welche Weise einzelne Ausdrücke und ganze Abschnitte, die von ungenügend unterrichteten Christen tendenziös mißverstanden werden können, wiederzugeben sind“. Längere Auszüge aus den jüngeren Vatikandokumenten über die Beziehung der Kirche zum jüdischen Volk der Jahre 1965, 1974 und 1985 und aus der Ansprache von Johannes Paul II. in der römischen Synagoge vom 13. April 1986 werden zitiert. Der liturgische Kalender zeige bereits das Band zwischen dem jüdischen Pessachfest und dem christlichen Osterfest und lenke die Aufmerksamkeit auf den antijüdischen Ton von Partien der Passion nach Johannes, welche die Prediger mahnen, das rechte Verständnis des Textes sicherzustellen. Die neue Instruktion macht weitere Schritte, um die vatikanische Weisung durchzuführen. Die Hauptpunkte sind:

Downloads

Veröffentlicht

1988-07-01